"Was glaubst du?" mit Bundestagsabgeordneter Ricarda Lang

Shownotes

Der heutige Promi bei unserer Sommerserie "Was glaubst du?" ist Ricarda Lang. Sie ist Mitglied des Deutschen Bundestags. Und war Parteivorsitzende und frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen. Ronja Goj hat sie getroffen.

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00:00:00: Zitronengelb ist er.

00:00:02: Der lange, zarte, feine Schal der sich um ihre Nacken legt wie ein umgedrehtes U eine offene Kette.

00:00:09: Ich

00:00:10: glaube was du glaubst eigentlich geht mich da auch irgendwie noch so ein bisschen auf so einer Suche oder vielleicht auch irgendwas vom Weg?

00:00:14: Riccada

00:00:14: lang ist sich nicht sicher ob... Gott existiert oder nicht, weil es keine Beweise dafür keine Beweise dagegen gibt.

00:00:22: Ich glaube ich hätte mich in den letzten Jahren wahrscheinlich immer am ehesten als Agnostikerin bezeichnet.

00:00:26: Denn es ist manches Leid das sie nicht verstehen und nicht nachvollziehen kann.

00:00:31: auf dass sie keine Antwort hat, dass sie Zweifeln infrage stellen lässt mit dem Glauben zurückhält.

00:00:37: Wenn ich zum Beispiel auf bestimmte Kinderkrankheiten schau wenn ein Zeugling nur eine Woche zu leben hat.

00:00:44: Gerade kleine Kinder, Säuglinge die an Krankheiten sterben wo ich denke und wie kann ein liebender Gott so was zulassen?

00:00:51: Oder

00:00:51: ist es ein strafender Gott?

00:00:53: diese Frage stellt sie sich diesen Gedanken hat sie Und er macht ihr Angst große Angst.

00:01:00: Sie spielt mit dem Ende ihres Schals streift ihn durch ihre Hand wickelt ihnen um einen Finger

00:01:06: Das natürlich auch etwas geben könnte Was einem höhere in Gott eine Gottheit ist nicht in erstes, nie barmherzig oder liebend ist.

00:01:14: Persönlich fände ich es ein ganz schrecklichen Gedanken.

00:01:16: Das finde ich auch deutlich schlimmer als wenn es nichts gibt zu denken das es etwas gibt was uns aber nicht liebent begegnet.

00:01:22: eigentlich will ich mir dann nur einen liebenden Gott vorstellen.

00:01:25: Als Agnostikerin lebt sie dieses dazwischen doch manchmal.

00:01:30: da würde sich eine Entscheidung wünschen Atheistin zu sein Gläubig zu sein.

00:01:35: Da beneidet freut sie sich für ihre Großmutter dass sie ihren Glauben hatte würde sich wünschen, selbst diesen Glauben zu haben.

00:01:43: Ich glaube, diesem Wunsch nach Klarheit gibt es auf jeden Fall und klar ist es auch ... Das Aushalten von Nichtwissen.

00:01:50: Und das fällt mir unglaublich schwer, aber ich glaube es ist auch eine Übung in der wir vielleicht manchmal besser werden müssen.

00:01:55: Amivalenz auszuhalten, Widersprüchlichkeit auszuhalten, Lücken aus zu halten ... Denn

00:02:00: sie widerstreben ihr.

00:02:02: diese Menschen die den Wunsch haben allmächtig Allwissen zu sein Die sich anderen Menschen überlegen fühlen In Intelligenz Reichtum Technik Menschen wie Elon Musk Peter Thiel Donald Trump.

00:02:15: Der wie Gott werden kann, der alles wissen kann – das ist eine zutiefst antidemokratische Vorstellung!

00:02:22: Der eine Mensch, der sich über alle anderen Menschen erhebt als eine zu tiefzersteuererische Vorstellungen.

00:02:27: Riccada

00:02:27: Lang ist davon überzeugt dass die Menschen etwas brauchen woran sie glauben können.

00:02:32: Sie umschließt und greift die Enden ihres Schals mit den Händen.

00:02:37: Hält ihn hält sicht daran fest.

00:02:39: Glaube

00:02:39: dass viele Menschen gerade auf der Suche sind nach irgendwas was ihnen Orientierung gibt.

00:02:44: Es kann Politik sein, es kann Glaube sein.

00:02:46: Aber wir brauchen diese Orientierung.

00:02:48: die größere ist er für

00:02:49: selbst.".

00:02:49: Schokoladenbrauen sind sie – ihre langen Haare, die in großen Wellen über ihre Schultern fallen.

00:02:55: Lineal gerade der Pony, abgeschnitten über den Augenbrauen.

00:03:00: Energetisch wirkt rikada-lang, aufgeweckt, engagiert, passioniert.

00:03:05: Da wo wir nur auf uns selbst zurückgeworfen Da drehten wir in eine Art von Hyperindividualismus ein, wo es nur darum geht wie ich selbst ein bisschen mehr vorankomme.

00:03:16: Und eigentlich verkümmern wir dabei aber emotional und auch intellektuell!

00:03:19: Weil es im Leben mehr gibt um mehr geht als Geld, Konsum, Status-Symbole.

00:03:25: da ist sie sich sicher davon ist sie überzeugt.

00:03:28: schnell antwortet sie ohne lange zu überlegen prompt direkt ausführlich Wort gewandt.

00:03:35: Aber

00:03:36: wir sind nicht nur materialistische Wesen, sondern wir sind denkende Wesen und fühlende Wesene.

00:03:42: Und ich glaube da wo wir uns nur auf uns selbst zurückwerfen, machen wir uns eigentlich kleiner als wir es sind.

00:03:48: Da schneiden wir uns ein Teil auch so ein bisschen von uns ab und das ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung!

00:03:54: In Berührung in Verbindung in Kontakt mit dem Glauben brachten sie ihre Großeltern.

00:03:59: Ihre Großmutter war sehr gläubig.

00:04:01: ihr Großvater Als er im Sterben lag, las Riccada ihm vor aus der Bibel weil er es sich so sehr wünschte.

00:04:10: Langsam brüchig denn sechs Jahre was sie damals alt ging in die erste Klasse lernte gerade lesen.

00:04:18: Wir

00:04:18: hatten nie wirklich die Zeit, miteinander tiefgreifende drüber zu sprechen.

00:04:23: Anders mit ihrer Großmutter, mit der sie in einem Haus wohnte, aufwuchs viel Zeit verbrachte über den Glaubenssprach als sie im Sterben lag.

00:04:33: Ich fand es immer faszinierend für mich das Sieg mit so einer Ruhe in diesen Tod gegangen ist was ich nicht verstehen konnte.

00:04:39: Ich war da immer und dachte, du musst doch Angst haben!

00:04:41: Du weißt gar nicht, was passiert?

00:04:44: Und ich glaube, für sie war es ihr Glaube der in dem Moment Ruhe gegeben hat.

00:04:49: Der Tod!

00:04:50: Riccada Lang hat Angst vor ihm weil es sie traurig macht das Menschen sterben müssen Weil es oft verbunden ist mit Schmerz und Leid.

00:04:59: Wenig Dinge machen den Menschen gerade und da beziehe ich mich selbst mit einem so viel Angst wie Kontrollverlusten.

00:05:04: Es gibt keinen größeren Kontroll-Verlust als im Tod.

00:05:06: Das ist der ultimative Kontrollfluss.

00:05:08: Riccadalang

00:05:09: konfrontiert sich mit diesem Thema spricht offen darüber ohne Scheu direkt.

00:05:14: Das Loslassen können und das ist eigentlich für mich auch so, was ich am Glaube, am Faszinierendsten finde, dass es eine Demut ist.

00:05:22: Ich würde mir wünschen als die Demut, dass wir die viel mehr leben und dass der Demut eine andere Rolle in unserer Gesellschaft

00:05:29: spielt.

00:05:30: Wenn sie erzählt scheint es, als würde sie sich viele Gedanken machen über die Menschen, die Gesellschaft diese Zeit?

00:05:38: Ich glaube, wir haben uns so verloren Wunsch nach alles kontrollieren können.

00:05:43: Also wir haben uns ja sehr angewöhnt als Menschen, ich würde auch sagen in sehr individualistischen Zeiten dass wir immer alles selbst beherrschen müssen das wir alles kontrollierten müssen Das wir immer die volle Handlungsfähigkeit haben müssen und das ist so synonym mittlerweile von uns mit Stärke.

00:05:58: Der Glaube er isst für sie das Gegenteil der Gegenpol der Kontrapunkt

00:06:03: also die eigene Bedingtheit die eigenen Abhängigkeit die Tatsache, dass man selbst teilt was größerem ist so anzuerkennen und darin nicht Angst um Kontrollverlust oder Schwäche zu erkennen sondern darin Ruhe und Stärke zu finden.

00:06:17: Und ich würde mir wünschen das wir in dem Aushalten können der Bedingtheit durch andere durch Natur und vielleicht auch durch Glaube dass wir das als Stärke begreifen können und nicht als Schwäche.

00:06:42: Man könnte es fast als so eine entfremdete Gesellschaft beschreiben, also dieser Wunsch nie in Abhängigkeitsverhältnissen zu irgendwas zu stehen – wieder in der Natur noch mit anderen Menschen und eben in gewisser Weise auch mit einer Spiritualität, einem größeren Wesen, einem Gott.

00:06:57: Dass das eigentlich alles zusammenhängt und ich suche gerade sehr individuell für mich in letzter Zeit sehr Wege aus dieser Entfremdung

00:07:04: herauszukommen.".

00:07:05: Sie verbringt wieder mehr Zeit in der Natur, wie damals als sie noch ein Kind war.

00:07:11: Dreimal in der Woche zum Reiten ging zu dem Pferden auf die Schwäbische Alb – als die Natur Teil ihres Erlebens ihrer Welt war!

00:07:20: Denn sie ist verschwunden aus ihrem Leben, vertrocknet und verkümmert, als sie zum Studieren in die Stadt zog nach Heidelberg

00:07:28: Und da habe ich aber gemerkt, dass mir eigentlich so eine ganze Erlebniswelt irgendwie auch fehlt.

00:07:32: Auch was, das an so ein bisschen erdelt und zu Ruhe bringt.

00:07:35: Die Momente versuche ich mir jetzt wieder ganz bewusst zu schaffen ... Aber diesen Selbstwert der Natur hab' ich dabei sehr wenig gesehen Und den erkenne ich je älter.

00:07:58: Ich werde immer mehr und da würde ich schon sagen, dass das auch eine Form von Spiritualität tatsächlich

00:08:05: ist.".

00:08:05: Dabei

00:08:06: tut sie sich lange Zeit schwer mit diesem Begriff der Spiritualität.

00:08:11: Aber es ist ja etwas tiefgreifendes und viel umfassenderes also auch da wiederum.

00:08:15: Das Erkennen... Dinge gibt die Größe und dafür selbst, dass es Kräfte aus uns selbst gibt.

00:08:19: Ihr Bezug zum Glauben verändert sich ständig.

00:08:23: Sie durchlebt verschiedene unterschiedliche Phasen.

00:08:26: Als Teenagerin rebelliert sie gegen den Glaubn, lehnt ihn ab – sie lacht!

00:08:32: Erdbeer Roth ist der Lippenstift, der von ihren Lippem strahlt.

00:08:49: In den letzten Jahren ist er ihr Wichtiger geworden hat eine stärkere Rolle eingenommen ist in den Vordergrund gerückt, der Glaube.

00:08:57: Weil es viele Umbrüche gab in ihrem Leben.

00:09:00: Sie denkt kurz darüber nach was sich verändern würde welchen Einfluss es hätte wenn es in der Zukunft den wissenschaftlichen Beweis gäbe dass es einen Gott gibt.

00:09:11: Wahrscheinlich nicht ganz alltäglich aber spirituell schon.

00:09:15: also ich würde schon eher zu denen gehören diesem schönen Gedanke fände wenn es so wäre.

00:09:19: Der Zitronengel beschallt er sich um ihre Nacken legt wie eine offene Kette.

00:09:24: Vielleicht ist sie ein Symbol für den Bezug, den Riccada lang zum Glauben hat.

00:09:29: Vielleicht wird sie sich schließen irgendwann – vielleicht bleibt sie offen für immer!

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