"Was glaubst du" mit Astronaut Gerhard Tiele

Shownotes

Es ist der 11. Februar 2000. Gerhard Thiele fliegt hinauf. Ins All. Zum ersten Mal in seinem Leben. Für 11 Tage. Auf die Mission: STS-99. Die Daten sammelt. Für die erste dreidimensionale digitale Karte der gesamten Erdoberfläche. An was glaubt ein Astronaut, der im Himmel, im All war? Gerhard Thiele ist evangelisch. Ronja Goj hat ihn getroffen. Für unsere Sommer-Serie "Was glaubst du?"

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00:00:00: Sie sitzen im Raumschiff, löschen die Lichter im Cockpit, dimmen das Display des Computers und schauen hinaus hinein ins All.

00:00:10: Das für mich faszinierendste und in gewisser Weise tatsächlich wunderbarste war der Blick genau weg von der Erde da wo es absolut dunkel ist.

00:00:20: Und das war eine Schwerze so wie ich noch nie die Farbe Schwarz erlebt habe.

00:00:26: Und ich hab schon schwarze Situationen tatsächlich

00:00:29: erlebt.".

00:00:30: Es ist dieses Schwarz, das Gerhard Thiele fasziniert überwältigt!

00:00:35: Wenn er darüber spricht, strömen, fließen die Worte aus ihm heraus – obwohl er sie sonst bewusst aus wählt sich präzise ausdrückt eindeutig, sich kurz hält keine Worte verschwendet.

00:00:47: Das war für mich völlig überraschend einfach deswegen weil niemand davon vorher erzählt hat, vielleicht rein hat vorhin.

00:00:55: Der hatte diese Schwerze die glitzende Schwärze des Weltalls genannt und da habe ich glaube ich geahnt was er damit gemeint hat.

00:01:05: Gerhard Thiele überlegt, stockt, sucht nach Worten.

00:01:09: Besonders unmittelbar verbunden gefühlt mit Gott hat er sich nicht als er im Himmel, im All war.

00:01:16: Mehr war es dieses glitzende Schwarz das er damit in Verbindung bringen könnte.

00:01:21: Dabei scheint es oft, als würden die Menschen umso weniger an die Religion, an Gott glauben je mehr sie wissen – über die Naturwissenschaften, die Physik,

00:01:34: und die Spiritualität oder das Glauben überhaupt nicht aus, es sind für mich zwei Seiten ein- und derselben Wirklichkeit.

00:01:56: ihm die Gabe für sick zu studieren.

00:01:58: In

00:01:58: der Bibel gibt es sehr viele Attribute, die Gott hat – aber für mich steht eindeutig das Schöpferische im Vordergrund.

00:02:05: Schwarz ist er!

00:02:06: Der feine dünne Rollkragen-Pullova den Gerhard Thiele trägt.

00:02:10: Dunkelblau das schlichte Sacco darüber.

00:02:13: Er erinnert sich an die Worte mit denen die Bibel beginnt Die Schöpfungsgeschichte, die vom Geist Gottes erzählt, der über dem Wasser schwebte.

00:02:22: Das ist der für mich aller entscheidende Satz.

00:02:25: Das heißt für mich... Da hinter ist eine Bedeutung.

00:02:29: Das bedeutet aber nicht nur, dass Gott etwas mit dieser Erde vor hat sondern auch mit den Menschen und damit auch mit mir vorhat.

00:02:37: Gerhard Thiele erinnert sich, das es seine Familie war die den Grundstein des Fundamenten seines Glaubens gelegt hat Die ihn in evangelische Kinder Gottesdienste geschickt hat In denen es Bilder gab vom lieben Gott Mit dem weißen Bart, die er ausmalen durfte.

00:02:53: Dieses Bild von Gott hat sich verändert.

00:02:56: Ich

00:02:58: war sicherlich nie immer gleich nah mit der Kirche verbunden, aber der Faden ist nie wirklich abgerissen.

00:03:10: Das

00:03:12: wäre vermessen zu sagen das kann nicht passieren.

00:03:15: wer weiß was auf mich noch wartet?

00:03:17: deswegen würde ich mir wünschen dass es nie passiert komplett ausschließen.

00:03:26: Ich bin bekennender Christ und daran wird sich hoffentlich nichts ändern, für mich erscheint es im Moment

00:03:33: unverrückbar.".

00:03:34: Heute geht er regelmäßig in die Kirche!

00:03:37: Betet im Alltag seine zwei Lieblingsgebete.

00:03:40: Manchmal plötzlich spontan, manchmal in besonderen bestimmten Situationen.

00:03:46: Wenn er weiß, dass er alles getan hat was er tun konnte, seine Sorgen anliegen abgibt – an Gott!

00:03:53: In gewisser Weise ist es vielleicht ein Halt….

00:03:56: Es ist eine Hilfe sonst würde ich sagen.

00:03:59: Auch wenn er weiß, dass er nicht immer erhört wird.

00:04:02: Oft genug nicht passiert.

00:04:04: Da haben wir noch einen Strauß auszufechten, wenn wir uns mal gegenüberstehen

00:04:08: sollten.".

00:04:08: Doch

00:04:09: Zweifel an seinem Glauben hat er deswegen nicht!

00:04:12: Er schüttelt den Kopf mit den dünnen schneeweißen Haaren, die sich wie ein feiner Kranz um seinen Kopf liegen ... Die

00:04:19: Wege des Herrn sind unerforschlich.

00:04:21: Wenn das nicht so läuft, wie ich es will, dann läuft's halt nicht so, wie Ich das will.

00:04:25: Aber ich kann ja nicht die Schuld dafür... lieben Gott in die Schuhe schieben.

00:04:30: Er schaut durch seine Brille, ramenlos ist sie schlicht!

00:04:43: Das ist ein mechanistisches Bild, das der liebe Gott eingreift wie ein Handwerker.

00:04:47: Wie ein Urmacher, der alles fein austariert.

00:04:50: Aber das entspricht nicht dem Bild, was ich von Gott

00:04:53: habe.".

00:04:53: Doch

00:04:53: manchmal in unschönen Unangenehm-Situationen.

00:04:57: Der Etapt erwischt er sich, dass er Gott gerne fragen würde – nachdem warum?

00:05:04: am Strand spazieren gehen und dann werden die verschiedenen Stationen des Lebens aufleuchten.

00:05:10: Wenn man zurückguckt, stellt man fest, dass man zwei Fußspuren im Sand zieht und manchmal nur eine.

00:05:18: Sie kennen die Geschichte und sie ist diejenige, die mich eigentlich immer

00:05:23: trägt.".

00:05:24: Gerhard Thiele hat keine Angst vor dem Tod, dieses unendliche schwarz aus dem All.

00:05:30: Es fühlt sich für ihn nicht gefährlich, bedrohlich

00:05:33: an.".

00:05:33: Das war Heimat!

00:05:34: Ich hatte schon das Gefühl, dass es wo ich hergekommen bin und da ist auch der Ort, wo's wieder mit mir hingeht.

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