Katholikentags-Appetithäppchen: Jüdischer Stadtspaziergang

Shownotes

Verwischt sind sie. Verdeckt, versteckt, verborgen. Die Spuren des jüdischen Lebens in Würzburg. Ricardo Altieri ist Bezirksheimatpfleger von Unterfranken. Bietet jüdische Stadtspaziergänge in Würzburg an. Ihn faszinieren die Menschen, die damals gelebt haben. Die Geschichten der Häuser, die sie einst bewohnt haben. Er möchte ihre Spuren sichtbar machen. Ronja Goj hat ihn begleitet. Ihr möchtet euch zusammen mit Riccardo Altieri auf die Suche nach jüdischen Spuren im heutigen Würzburg machen? Dann kommt zum Katholikentag. Der Jüdische Stadtspaziergang findet statt am 15. Mai. Nähere Infos findet ihr unter www.katholikentag.de.

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00:00:01: Ein Katholikentags Appetit-Häppchen.

00:00:04: Unscheinbar ist er.

00:00:06: Dieser kurze, schiefer graue Streifen mit dem sandsteinfarbenen Punkt darauf.

00:00:11: Schräg scheint er auf dem Stein zu kleben!

00:00:13: Als hätte jemand ein Stück Klebeband dort vergessen – erst nach Jahrzehnten abgelöst.

00:00:18: Vorsichtig streicht Ricardo Artieri mit den Fingern darüber.

00:00:22: Das ist der Rückstand einer sogenannten Mesusa, also einer Gebetskapsel.

00:00:26: Darüber fand sich einen Gebetspruch, den man auswendig kannte.

00:00:29: Man hat ihn einfach mit der Hand berührt und hat dann kurz die Finger geküsst.

00:00:33: Gebetskapseln befanden sich in orthodoxen Häusern eigentlich an jedem Türsturz.

00:00:37: Halbrunt ist der Torbogen aus Kieselgrauen Steinen, die sich wie ein Akkordeon um das massive Kastanienfarbene-Holztor spannen vor dem Riccardo Althieri steht – in der Bipra Straße einem der Eingänge des Klosterts der Erlöserschwestern.

00:00:53: Da wo wir jetzt gerade stehen, befand sich ursprünglich das Gebäude der israelitischen Lehrerbildungsanstalt.

00:00:58: Die war ab mit den Ausbildungseinrichtungen für jüdische Religionslehrkräfte an allen möglichen Schuladen.

00:01:19: Aber natürlich ist die Arbeit letztlich dann irgendwann verboten worden.

00:01:22: Leider haben es auch viele der Menschen, die hier ihre Ausbildung gemacht haben nicht überlebt was die Nazis mit ihnen gemacht haben.

00:01:28: Geblieben ist ein Gedenkort im Eingangsbereich – Metafeln, schwarz-weißen Bildern, Geschichtsschnipseln, die von der Ilbe erzählen, Namen ermordeter Mitglieder schreiben.

00:01:39: Wir sehen heute von diesem Gebäude nichts mehr außer diesem Eingangsportal.

00:01:43: Es ist alles auch am sechzehnten März vorhin zerstört worden.

00:01:45: bei der Bombardierung.

00:01:48: Riccardo Altieri läuft weiter.

00:01:50: Die Daumen eingehängt in die seitlichen Taschen seines graumillierten Mantels.

00:01:55: Nachdenklich schaut er durch seine große Brille mit dem dunkelbraunen Rahmen, erzählt vom jüdischen Leben in Würzburg nach dem Krieg.

00:02:08: Die Shoah überlebt haben hierher.

00:02:09: Davon war ungefähr ein Viertel Überlebende aus der Region und drei Vierteln waren eben diese Heimatvertriebenen, sogenannte Displaced

00:02:15: Persons."

00:02:20: Trotz des Versuchs, Menschen in Israel zu finden die sich niederlassen.

00:02:24: In einem Altersheim an der Stelle des heutigen Schalom-Europas.

00:02:28: Es gibt

00:02:28: natürlich mit der Ankunft der sogenannten Kontingentgeflüchteten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein neues südisches Leben in Würzburg.

00:02:35: und dann ist die Gemeinde erstmal auf über eintausend neue Mitglieder angewachsen.

00:02:40: Ricardo Altieri läuft weiter Durch enge Gassen, vorbei an Hauswänden in Sonnengelb mit grün Königsblau.

00:02:48: Fahrrädern die sich daran anlehnen Regenrinnen tapiziert mit bunten Stickern.

00:02:54: Wo wir hier uns heute befinden ist sozusagen die Herzkammer des jüdischen Lebens in der Moderne.

00:02:58: Er

00:02:59: biegt um die Kurve macht Halt in der Kettengasse An einem hohen silbernen Metallgitter das einen Platz umzäunt

00:03:06: die im November-Programm gingen.

00:03:16: Dieses Gebäude wurde bei der Bombardierung zerstört.

00:03:20: Er linzt durch das Verschloss in der Gittator.

00:03:23: Weißer Kiesel, ein Davidstern aus Granit.

00:03:26: Ein Gedenkstein der erinnern

00:03:28: möchte.".

00:03:29: Immer wieder ist die jüdische Gemeinde nahezu komplett ausgelöscht worden.

00:03:32: Das ist schon was warum in der Gegenwart Antisemitismus immer wieder so auf fruchtbaren Boden fallen kann weil das eine Tradition ist, die bei uns ja hunderte alt ist.

00:03:40: lasst euch das nicht gefallen wenn Menschen in eurem Umfeld anfangen sich plötzlich menschenfeindlich zu äußern.

00:03:45: es hat noch nie zu etwas gutem geführt.

00:03:47: den Klebestreifen ablösen Vergangenheit darunter sichtbar machen Mehr sehen als das Auge erfassen kann, jüdische Geschichte lebendig werden lassen.

00:03:56: Das wünscht sich Ricardo Altieri.

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